Bruchsal, Bruchsaler Geschichten

Bruchsaler Geschichten 2.0 – Barbara Mitteis

Verehrte Leser,

der ein oder die andere erinnert sich vielleicht noch an die Bruchsaler Geschichten von Frau Barbara Mitteis, die wir vor ca. 10 Jahren erstmalig auf Bruchsal.org veröffentlicht hatten. Durch die strukturellen Umbauarbeiten unserer Plattform sind diese Texte nicht wirklich leicht zu finden und Christian Kretz und ich haben uns daher entschlossen, diese nochmal in unregelmäßiger Abfolge unter dem Tab „Bruchsaler Geschichten“ zu veröffentlichen.

Frau Mitteis ist mittlerweile leider verstorben, wir möchten ihr mit diesen Beiträgen ein ehrendes Andenken bewahren.

Um den Kontext wiederherzustellen, hier die damaligen einleitenden Plattformeinträge:

Einmal Kindheit und zurück – erzählt von Barbara Mitteis

Mittwoch, 20. Januar 2010  

Gestern war ein guter Tag, denn ich erhielt ein Paket gefüllt mit bisher nie veröffentlichten Büchern und Kopien zum Thema Bruchsal. Aber es waren keine Werbebroschüren oder ähnliches, nein es waren Texte einer Bruchsaler Schriftstellerin, die in den letzten Jahrzehnten Geschichten ihrer Kindheit aufgeschrieben hatte. Einer Kindheit erlebt im Bruchsal der 50er und 60 er Jahre.

Die Autorin, Frau Barbara Mitteis geb. Frank, lebt mittlerweile nicht mehr in Bruchsal, ist jedoch über viele Freunde noch immer mit ihrer alten Heimat verbunden. Das Aussergewöhnliche ist nun jedoch, wie es zu dem Kontakt zwischen mir, Bruchsal.org und Frau Mitteis kam.
Frau Krieger aus Bruchsal, eine Freundin von Frau Mitteis, nahm letzte Woche an der Bürgerversammlung zum Thema Stadtgestaltung in der Hebelschule teil und erfuhr dort von den Diskussionen zu der Namensgebung des Platzes am SEPA Gebäude.

In diesem Zusammenhang wurde bekanntlich über Bruchsal.org der Vorschlag eingebracht, den Platz nach dem Bruchsaler Original „Adölfle“ „Adolf Böser Platz“ zu benennen. Nun wußte die Freundin von Frau Mitteis, dass diese auch eine Geschichte zum Adölfle geschrieben hatte. Sie rief gleich am nächsten Tag bei Frau Mitteis an und erzählte Ihr davon und schlug ihr vor, doch das Material nun vielleicht doch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierzu entschloß sich dann Frau Mitteis auch nach Gesprächen mit einigen ihrer Bruchsaler Freunde und zweier Telefonate mit mir selbst.

Somit sind wir als Herausgeber von Bruchsal.org, der Netzzeitung für Bruchsal, in der besonders glücklichen Lage, die Texte -und es gibt viele davon- der Frau Mitteis exklusiv veröffentlichen zu dürfen.

Alte Bruchsaler werden viele vertraute Namen und Orte wiederfinden, jüngere Leute und Bürger, die erst später nach Bruchsal kamen, werden sehr intensive und persönliche Beschreibungen des alten Bruchsals erlesen und so sicherlich viel Neues über Bruchsal erfahren können.

Bruchsal.org wird also nun wöchentlich eine Bericht über Personen der Bruchsaler Geschichte von Frau Mitteis in einer eigenen Rubrik veröffentlichen. Zusätzlich veröffentlichen wir auch noch jeweils ein Gedicht der Schriftstellerin, die sich auch auf dem Feld der Lyrik betätigt und wundervolle Gedichte verfasst hat.
Durch einen glücklichen Zufall haben wir nun auf Bruchsal.org die Möglichkeit jede Woche auf’s Neue aus einen Schatz Bruchsaler Stadtgeschichte wundervolle Einzelstücke genießen zu können.

An dieser Stelle gilt unser ausdrücklicher Dank der Autorin Barbara Mitteis für die Zurverfügungstellung des umfangreichen Materials sowie die Genehmigung, dieses zu veröffentlichen. Danke sagen möchten wir auch Frau Krieger, der Freundin von Frau Mitteis, die den Initialkontakt zwischen mir und der Autorin hergestellt hat. Ohne ihre Bemühungen würde es diesen Artikel nicht geben.

Anmerkung der Hrsg.: Rolf Schmitt hatte seinerzeit die Geschichten in ein „verarbeitbares Format“ überführt, hierfür auch 10 Jahre später nochmals vielen Dank!

Die Autorin meldet sich!

Montag, 1. Februar 2010 – 16:13

Seit über 37 Jahren lebe ich in dem kleinen Hegaustädtchen Stockach, das 5 km entfernt vom Bodensee liegt. Hier ist es im Winter drei Kittel kälter als in Bruchsal, dafür ist im Sommer keine so brütende Hitze über der Stadt. Ein neuer Freundeskreis wurde hier aufgebaut, aber die Verbindung nach der Kraichgaustadt nie abgerissen.

In den Jahrzehnten schrieb ich viel und brachte es im Eigenverlag heraus. An die Öffentlichkeit wollte ich zu Lebzeiten nie. Seit dem Tode meines geliebten Mannes im letzten Jahre geschah nun mein Umdenken.
Meine kleinen Geschichten aus den Nachkriegsjahren möchten nun jenen Menschen Freude bereiten, die sie gerne lesen wollen. Jene, die kein Interesse zeigen, erreicht man sowieso nicht.

In meinen Schilderungen wollte ich nie kränken, eben nur Satzaussagen machen, die stimmten. Jeder hat sein eigenes Bild über Mitmenschen. Die Palette ist groß, das Farbenspiel enorm, der Pinsel geschwungen und die Leinwand wuchtig. Dass ich Leute im Anfang der Fünfziger Jahre groß und hager sah, und nicht gebeugt am Stock gehend, mag an deren Jugend gelegen haben! Ich betrachtete als Stöpsel alles sehr genau, was mir im späteren Leben sehr zugute kam.
So wünsche ich allen eine frohe Fahrt zurück in das alte Bruchsal und verteile dazu jedem ein kostenloses Billet.

Und hier noch ein passendes Gedicht von Frau Mitteis:

Erinnerungen

Ein Rucksack voll Erinnerungen,

ich hab mich dazu aufgeschwungen

und saß und schrieb und saß und schrieb,

was mir noch im Gedächtnis blieb.

Die Zeiten waren eben mager,

die Leute hungrig und drum hager,

obwohl ich klein, ich wußte bald,

ob einer aufrecht ging, ob alt.

Ob lang, ob kurz, ob schlank, ob dick,

es war für mich ein Kinderglück,

zu all den Menschen – zu den Jahren,

im Bummelzug zurückzufahren!…

Barbara Mitteis ©

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