Bruchsal, Bruchsaler Geschichten

s´Adölfle – De Zebbelin – zum 25. Todestag eines Bruchsaler Originales

Dies war vor mehr als zehn Jahren die erste „Bruchsaler Geschichte“ von Frau Mitteis, die wir veröffentlichten, sie handelte von Adolf Böser, einem wahren Brusler Original…

Der Adolf war das Stadt-Dummerle, und wie durch ein Wunder blieb er in der Adolf Ära verschont.
Man sprach davon, daß der Adolf in jenen Tagen des puren Wahnsinns in irgendeinem Dorf bei gutherzigen Leuten Unterschlupf gefunden hatte, um letztendlich doch noch entdeckt zu werden. Adolf hatte einen winzig kleinen Kopf und sah, der verstorbene Chorleiter der Don Kosaken, Serge Jaroff möge es mir nachsehen, eben diesem sehr ähnlich.

Adolf hatte eine dünne Fistelstimme, die er wiederum dem unseligen Namensvetter zu verdanken hatte. Er war lang und furchtbar hager und sprach für sein Leben gern.
Noch heute sehe ich den armen Menschen vor mir: Ein hellgraues dünnes Leinenjäckchen, das schon lange Jahre ausgedient hatte, hing an ihm herunter, wie ein Jutesack, aus dem die letzten Kartoffeln ausgeschüttet wurden.

Adolf war meist fröhlich und guter Dinge und wurde nur selten von frechen und aufdringlichen Buben belästigt. Dann konnte der Arme im Geiste schimpfen und die Arme um sich werfen, und sein kleiner roter Kopf wurde noch um eine Tomate roter.
Adolf war ein nützliches Glied der Gesellschaft. Er wohnte im Altersheim der Stadt, machte kleine Besorgungen, goß den Gemüsegarten und kümmerte sich darum, daß die Hundchen ihre Beinchen nicht in den Anlagen hoben.Adolf hatte es immer eilig, nur wenn er einen Menschen mochte, blieb er stehen und vergaß die Zeit. Dann schwatzte er daher mit seiner dünnen Fistelstimme, gestikulierte mit den Händen und deutete oftmals auf sich selbst.

Adolf muß aus gutem Hause gewesen sein, aber dieses gute Haus schämte sich wohl seiner und gab das arme Wesen weit fort. Adolf wurde sehr alt, und immer sah man ihn durch die Stadt huschen und seine kleinen Pflichten erledigen.
Er tat alles sehr genau und gewissenhaft, und diese Eigenschaft der Gewissenhaftigkeit war vielen „Normalen“ nicht gegeben.

„Seelig sind die Armen im Geiste!“ hatte Jesus dem Volke gepredigt. Und ER fügte hinzu: „Denn ihrer ist das Himmelreich!“
Wie lange Adolf noch lebte weiß ich nicht (bis zum 23. Januar 1996 – Anm. der Redaktion), aber ich weiß, daß einer, der so wie er seine Arbeit tat, gewiß einen schöneren Platz im Himmel hat, als einer der alle Sinne mitbekam, und damit nur Unsinn anrichtete.

Barbara Mitteis ©

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