Bruchsaler Geschichten

Die kleine Hausfrau

Hier ist eine weitere Geschichte von Barbara Mitteis auf die einige von Ihnen regelmäßig zu warten scheinen. Eines ist sicher, die Zeiten haben sich geändert. Viel Spaß beim Lesen.

All die tüchtigen, bienenfleißigen Hausfrauen beeindruckten mich zutiefst, und so wollte ich schon als Vierjährige eine kleine Hausfrau spielen. Und so fungierte ich spielerisch mit dem Staublappen, dem Geschirrtuch und dem Küchenmesser. Das Küchenmesser war mein schärfster Gegner, aber ich musste unbedingt erlernen, wie man Apfelkompott und Birnenschnitze zubereitet.

Mit fünf Jahren konnte ich Grießbrei und Apfelpüree und Pellkartoffeln und Quark auf den Tisch bringen.

Mit wahrer Begeisterung kochte ich für die Großen. Ich wollte auch Kuchen backen, aber meine Ärmchen ermüdeten vom Rühren, und so wurde ziemlich rasch meine Lieblingsbeschäftigung das Schüssel-ausschlecken. Hoffnungsvoll sah ich auf die süße Teigmasse, und wenn Mama sich umdrehte, fuhr blitzschnell mein kleiner Zeigefinger in den Teig. Mama war Schwäbin und daher sparsam, und sparsam klebte noch hie und da ein Teigrestchen an der braunen Keramikschüssel. Die Zuckerbrocken belasteten mein Gewissen weitaus mehr als der teigbehangene Zeigefinger.

Ich durfte Plätzchen ausstechen und Puderzucker mit Zitronensaft verrühren, ich durfte den Tisch decken und die Servietten legen, ich durfte abstauben und die Teller abtrocknen, und weil ich alles durfte und nicht musste, machte es mir auch großes Vergnügen.

Die erste Pflicht, die ich kennenlernen musste, hieß SCHIRZE, und das erste, was ich in meinem eigenen späteren Haushalt abschaffte, war selbige.

Mein allerwichtigstes Kocherlebnis war, den Pfannenkuchenteig zu rühren. Hei, wie die Butter in der Pfanne brutzelte und der Teig braune Flecke annahm, wie selig stand ich vor dem feurigen Kohleherd und freute mich an den runden gelbbraunen Fladen.

Ein paar Jahre später fuhr ich alleine an den Waldrand, um Mama mit einem großen Sack voll Tannenzapfen zu überraschen. Sie erzählte mir von den Kriegszeiten, und wie die „Hoppele“ zündeten und brannten. Ich sammelte etliche Male für den Küchenherd die Zapfen, bis es zu gefährlich wurde, alleine an den Waldrand zu fahren.

Ich fegte und kehrte und kochte und backte und freute mich in jeder Ecke des Herzens, wenn alle Ecken wieder blitzeblank waren. Nur den Keller fürchtete ich mit seinen Spinnen und Spinnweben, und manchmal huschte eine Maus über die Kohlen und Kartoffeln, und dann klopfte mein Hasenherz.

Im Garten bekam ich mein eigenes kleines Beet, und ich säte von meinem Taschengeld Ringelblumen aus und bekam allerlei Ableger und Pflanzen aus nachbarlichen Gärten geschenkt. Eine zeitlang jätete ich voll Freude das Unkraut, aber dann ließ der kindliche Eifer nach, und ich überließ meinen Spaten und mein Schäufelchen lieber dem Maulwurf.

Wenn Mama große Wäsche hatte, durfte ich die Klammern reichen, und dann spielte der Wind mit der Wäsche, und die Hosen und Blusen klammerten sich um das Wäscheseil oder plusterten sich wie die größten Kraftprotze auf, um dann wieder in sich selbst zusammenzusinken und zu erschlaffen.

lch liebte alle Haushaltsgeräte, außer dem Kochlöffel und dem Teppichklopfer. Sie waren für mich Zweckgegenstände, die manchmal zweckentfremdet verwendet wurden.

Ich will nicht behaupten, dass ich unentwegt fleißig zuhause war. Oh, nein! Lieber waren mir die Straße und die Gasse. Aber bei Regenwetter machte ich mich gerne nützlich, wenn nicht gerade ein spannendes Buch meine guten Absichten hinderte.

Ich habe mir die Freude an den alltäglichen Hausarbeiten behalten. Ganz bewusst. Ich diene für mein Leben gern, und solange der gute Gott mich dienen lässt, will ich meinen Pflichten gewissenhaft nachkommen. Ich kann und mag diese emanzipierten Frauen nicht begreifen. Ich glaube, nur wer wirklich krank ist begreift, was arbeiten dürfen heißt. Wer verbietet mir beim Bügeln und Kochen und Putzen das Denken? Die besten Gedanken kommen mir bei der einfachsten Arbeit. In keinem anderen Beruf, sei er noch so vielseitig, darf und kann ich so vielschichtig denken.

Hausarbeit ist für mich keine mistige Angelegenheit, und sie kommt noch vor dem Misthaufen. Die geringste Arbeit aus Liebe getan, ist vor Gott mehr wert, als die höchste stolze Wissenschaft und Forschung. Und so forschte ich in Liebe meinem kleinen und geringen Leben nach.

© Barbara Mitteis

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